
Hormone im Zyklus: Ablauf, Schwankungen und Einfluss auf den Körper

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Dein Zyklus ist kein Zufall. Dahinter steckt ein komplexes hormonelles Zusammenspiel. Erfahre, wie Östrogen & Co. deinen Körper, deine Stimmung und deine Fruchtbarkeit beeinflussen.
Der weibliche Zyklus ist ein fein abgestimmtes Zusammenspiel von Hormonen, die dafür sorgen, dass sich dein Körper jeden Monat auf eine mögliche Schwangerschaft vorbereitet.
Diese hormonellen Schwankungen sind jedoch nicht nur für deine Fruchtbarkeit relevant. Sie beeinflussen Stimmung, Energielevel, Stoffwechsel und Wohlbefinden. In diesem Artikel lernst du, welche Hormone im weiblichen Zyklus eine Rolle spielen und wie sich ihre Konzentrationen über den Zyklusverlauf verändern. Natürlich beleuchten wir auch, welche Bedeutung das für deinen Körper hat.
Das Wichtigste im Überblick:
- Die Hormone im Zyklus wirken nicht isoliert, sondern in einem komplexen System.
- Unterschiedliche Hormone steuern über den Hypothalamus und Hypophyse die Aktivität des Eierstocks.
- Östrogen und Progesteron beeinflussen die Schleimhaut, Energie und Empfindungen.
Das sind die Zyklusphasen
Der Zyklus bestimmt die Konzentration der Hormone in deinem Körper - und umgekehrt. Bevor wir also in die Details rund um Hormone eintauchen, lohnt sich ein Blick auf den Zyklus und seine Phasen. Ein beispielhafter Zyklus mit 28 Tagen läuft folgendermaßen ab:
Menstruation
- Tag 1 bis ca. Tag 4 bis 7
- Abstoßung der Gebärmutterschleimhaut, Beginn des neuen Zyklus
Follikelphase (Aufbauphase)
- Ca. Tag 4 bis ca. Tag 14
- Follikelreifung, Anstieg von Östrogen und follikelstimulierendem Hormon (FSH)
Ovulation (Eisprung)
- Ca. Tag 14
- Anstieg des luteinisierenden Hormons (LH), Freisetzung der Eizelle
Lutealphase (Gelbkörperphase)
- Ca. Tag 15 bis Tag 28
- Progesterondominanz, Vorbereitung auf mögliche Einnistung
Dein Zyklus dauert länger oder kürzer?
Die ideale Zykluslänge liegt bei etwa 28 Tagen, kann aber bei gesunden Frauenzwischen etwa 25 und 35 Tagen variieren. Leichte Schwankungen gelten dabei als normal.
Während jeder dieser Phasen spielen unterschiedliche Hormone eine zentrale Rolle. Diese beeinflussen sich gegenseitig durch gewisse Rückkopplungsmechanismen.
Diese Hormone spielen im Zyklus eine Rolle
Sie steuern den Ablauf und die Dauer deines Zyklus: Im Folgenden stellen wir dir die zentralen Hormone, die an deinem Zyklus beteiligt sind, etwas näher vor. Natürlich sehen wir uns dabei auch an, wie sich ihre Konzentrationen über die Zeit verändern:

Gonadotropin-Releasing-Hormon (GnRH)
Das Gonadotropin-Releasing-Hormon (GnRH) wird im Hypothalamus in der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) produziert und wirkt pulsartig. In regelmäßigen Schüben stimuliert es die Hypophyse, die mit dem Botenstoff Gonadotropin das luteinisierende Hormon (LH) und das follikelstimulierende Hormon (FSH) freisetzen kann. Gewissermaßen ist GnRH also der Startschuss für das hormonelle Signal im Zyklus.
Follikelstimulierendes Hormon (FSH)
Durch die Anregung von GnRH schüttet die Hypophyse das follikelstimulierende Hormon (FSH) aus. Dieses fördert in der Follikelphase die Reifung mehrerer Eibläschen (Follikel) in den Eierstöcken. Mit zunehmendem Wachstum der Follikel steigt die Östrogenproduktion, wodurch wieder weniger FSH freigesetzt wird. Diesen Vorgang bezeichnet man als negativen Rückkopplungsmechanismus.
Luteinisierendes Hormon (LH)
LH wird ebenfalls von der Hypophyse ausgeschüttet und löst durch einen raschen Anstieg ungefähr zur Zyklusmitte hin den Eisprung aus. Dieser starke LH-Anstieg ist ein zentrales hormonelles Signal, das den dominierenden Follikel dazu veranlasst, die Eizelle freizusetzen. Nach diesem kurzfristigen LH-Anstieg beginnt die Bildung des Gelbkörpers.
Östrogen (insbesondere Estradiol)
Östrogene - und damit auch das wirksamste natürliche Östrogen Estradiol - werden von den reifenden Follikeln im Eierstock produziert. Sie regen das Wachstum der Gebärmutterschleimhaut an, fördern die Durchblutung des Uterus, optimieren die Konsistenz des Zervixschleims und beeinflussen deine Stimmung. Der Östrogenspiegel erreicht seinen Höhepunkt kurz vor dem Eisprung, fällt dann leicht ab und steigt in der Lutealphase erneut leicht an. Ist eine Schwangerschaft eingetreten, ist vor allem das Estradiol maßgeblich an deren Aufrechterhaltung beteiligt.
Progesteron
Nach dem Platzen des Follikels beim Eisprung, bildet sich aus diesem der sogenannte Gelbkörper. Dieser produziert das Hormon Progesteron. Es bereitet die Gebärmutterschleimhaut auf eine mögliche Einnistung vor und hemmt die erneute Follikelreifung im Zyklus. Der Progesteronspiegel steigt nach dem Eisprung und erreicht sein Maximum in der Lutealphase. Dann fällt er wieder ab, wenn keine Schwangerschaft eintritt.
Hast du gewusst?
Da eine Gelbkörperschwäche bzw. ein Progesteronmangel relativ häufig vorkommt, wird betroffenen Frauen mit Kinderwunsch in der zweiten Zyklusphase oft künstliches Progesteron als Arzneimittel verabreicht.
Weitere Hormone und Signalgeber im Zyklus
In sekundärer Hinsicht sind beispielsweise auch die Hormone Prolaktin und Kisspeptin am weiblichen Zyklus beteiligt.
Das ebenfalls in der Hypophyse gebildete Prolaktin reguliert eigentlich die Milchbildung, kann aber auch schon in der Kinderwunschzeit relevant für dich sein. Sollte dein Körper aufgrund einer Erkrankung (z.B. PCO-Syndrom) zu viel Prolaktin bilden, wird unter Umständen dein Eisprung unterdrückt. Die Chancen auf eine Schwangerschaft sinken dadurch deutlich.
Kisspeptin dagegen sorgt ab der Pubertät für die Ausschüttung des GnRHs – und damit auch für die erfolgreiche Freisetzung von LH und FSH. Die genauen Wechselwirkungen des Hormons werden jedoch erst vergleichsweise kurz wissenschaftlich untersucht.
Dieser Artikel wurde von Alina Haidacher verfasst.