
Inhalt
Das Wichtigste im Überblick:
Biohacking für Frauen: Was ist damit gemeint?
Ablauf und Funktion von Female Biohacking
Was regt die weiblichen Hormone an und was beeinflusst sie?
Ernährungsplan für Biohacker:innen
Diese Frauen setzen schon auf Biohacking
Ist Biohacking gesund? Diese Risiken sind bekannt
Nicht nur im Zyklus: Weitere Anwendungfälle für Biohacking
Female Biohacking: Die Wissenschaft hinter dem Trend

- 15 min Lesezeit
- Expert:in
Biohacking für Frauen – Trend oder echter Gamechanger?
Tracken, verstehen, gezielt handeln: Female Biohacking will den weiblichen Zyklus nicht optimieren, sondern bewusst nutzbar machen. Wir zeigen dir, wie’s funktioniert – und worauf du achten solltest.
Biohacking – im Deutschen teils auch unter dem Namen Do-It-Yourself-Biologie bekannt – ist ein Trend, der mehr und mehr aus den USA nach Europa gelangt. Die Nutzer:innen versuchen mit gewissen Tools und Analysen, das Optimum aus ihren Körpern herauszuholen.
Wir erzählen dir nun mehr über den ursprünglichen Gedanken dahinter, gehen auf den genauen Ablauf ein und klären, ob Biohacking für Frauen tatsächlich funktionieren kann.
Das Wichtigste im Überblick:
- Female Biohacking ist ein Trend, bei dem du körperliche und psychische Symptome, Energielevel, Schlaf und hormonelle Muster innerhalb deines Zyklus trackst.
- Aus diesen Daten entstehen individuelle Empfehlungen zu Punkten wie Ernährung, Training und Stressmanagement.
- Zyklustracking und ein Kennenlernen des eigenen Körpers können durchaus sinnvoll sein. Bei Female Biohacking ist Vorsicht geboten, da es häufig mit kostenintensiven Kaufempfehlungen verbunden ist.
Biohacking für Frauen: Was ist damit gemeint?
Menschen wollen ihren Körper besser verstehen und gezielt beeinflussen können. Auf dieser Grundidee fußt das Konzept des Biohackings. Indem Nutzer:innen der Methode Gesundheitsdaten sammeln, Routinen testen und etwaige Veränderungen messen und analysieren, gewinnen sie Insights zu ihrem eigenen Körper.
Und was ist dann Female Biohacking? Für viele Frauen geht es dabei nicht darum, perfekt zu funktionieren, sondern darum, den eigenen Zyklus und dessen Einfluss auf das gesundheitliche Wohlbefinden besser zu verstehen. Mit der Beobachtung körperlicher wie psychischer Symptome und Tools, die dich unterstützen, hormonelle Muster zu verstehen, kannst du durch Biohacking idealerweise Beschwerden während des Zyklus lindern und Entscheidungen über deinen Körper selbstbestimmt treffen. Bisher ist die Wirksamkeit von Biohacking jedoch nicht wissenschaftlich nachgewiesen. Sei also achtsam, wenn dir ein Anbieter bestimmte Wundermittel verkaufen möchte.
Tipp: Du möchtest deinen Körper besser kennenlernen? Helfen kann dir dabei beispielsweise der atembasierte Zyklustracker von breathe ilo. Dieser erkennt durch den CO2-Wert in deiner Atemluft zyklusabhängige Veränderungen und bereitet diese anschaulich in der App für dich auf. Die Daten unterstützen dich dabei, den Ablauf deines Zyklus möglichst gut vorhersagen zu können.
Ablauf und Funktion von Female Biohacking
Für das Female Biohacking nutzen viele Frauen Zyklus-Tracking. Dieses kann über Apps oder einen analogen Zykluskalender erfolgen. Verwendest du zusätzlich Methoden - wie beispielsweise die symptothermale Methode oder Ovulationstests - kannst du noch genauer eingrenzen, in welcher Zyklusphase du dich gerade befindest. Wearables wie eine Smartwatch mit Temperaturmessungsfunktion oder die atembasierte Zyklusbeobachtung von breathe ilo können weitere Insights zu deinem Zyklusverlauf bringen.
Typische Bausteine im Female Biohacking sind im Allgemeinen:
- Tracking: Zyklusphase, Schlaf, Energielevel, Stimmung, Symptome
- Analyse: Welche Faktoren beeinflussen körperliche Symptome, Schlafqualität oder Stressreaktionen?
- Darauf basierende Intervention: Ernährung, Belastungssteuerung, Stressreduktion
Biohacking ersetzt keinesfalls eine ausführliche und umfassende medizinische Diagnostik. Es kann aber hilfreich sein, um gewisse wiederkehrende Muster im Zyklus zu erkennen -etwa Schlafstörungen vor und während der Periode oder energiereiche Tage in der Follikelphase.
Was regt die weiblichen Hormone an und was beeinflusst sie?
Die hormonellen Abläufe im weiblichen Zyklus sind bekanntlich komplex. Sie werden nicht nur durch die Eierstöcke gesteuert, sondern bilden ein Zusammenspiel von Hypothalamus, Hypophyse und verschiedenen Rückkopplungen im Körper.
Grundsätzlich kann man also sagen: Es ist biologisch vorgegeben, wann und wie deine Hormone im Zyklus angeregt werden. Diese biologischen Abläufe sind jedoch nicht isoliert zu betrachten. Schließlich gibt es einige Faktoren, die dafür sorgen können, dass Hormone nicht richtig oder nicht ausreichend gebildet werden.
Deine Ernährung ist dabei zentral. Eine zu geringe Energiezufuhr kann beispielsweise bei Sportlerinnen die LH-Impulse reduzieren und im Zuge dessen zu Zyklusstörungen führen. Gleichzeitig weisen Studien darauf hin, dass komplexe Kohlenhydrate den Blutzucker stabilisieren und Symptome des prämenstruellen Syndroms (PMS) mildern können. Auch Supplemente wie Fischöl (Omega 3) und Vitamin B1 zeigen positive Effekte auf Regelschmerzen.
Neben der Ernährung spielen Stress und Bewegung eine zentrale Rolle. Chronischer Stress erhöht Cortisol, was wiederum Progesteron beeinflussen kann. Dabei handelt es sich um einen Mechanismus, der möglicherweise hinter Schlafproblemen oder Stimmungsschwankungen in der Lutealphase stecken kann.
Ernährungsplan für Biohacker:innen
Vorab: Den perfekten Ernährungsplan für Biohackerinnen gibt es nicht. Was du in welcher Zyklusphase im besten Fall isst, hängt stark von deinen individuellen Voraussetzungen und Bedürfnissen ab. Viele Biohackerinnen orientieren ihre Ernährung grob an den Zyklusphasen. Sie sehen diesen jedoch nicht als striktes Regelwerk, sondern als sanfte Unterstützung - auch, weil es bisher keine wissenschaftliche Belege für positive Effekte einer an den Zyklus angepasste Ernährung gibt. Während der Menstruation stehen beim Biohacking oft warme, mineralstoffreiche Lebensmittel im Fokus, die das Energieniveau stabilisieren und die Blutbildung unterstützen sollen. Hierfür gibt es jedoch keinen wissenschaftlichen Beleg.
In der Follikelphase, wenn das Östrogen im Körper steigt, vertragen viele Frauen leichtere Kost besser und fühlen sich mit frischen Lebensmitteln wie Obst und Gemüse besonders wohl. Rund um den Eisprung ist der Bedarf an Antioxidantien höher, da der Körper sich in einer entscheidenden Phase befindet. Du musst als gesunder Mensch jedoch keine Antioxidantien supplementieren, sondern nimmst diese in ausreichender Form durch Lebensmittel wie beispielsweise Nüsse, Samen und Hülsenfrüchte auf. In der Lutealphase wiederum kann eine Ernährung mit komplexen Kohlenhydraten und hochwertigen Fetten dabei helfen, Blutzuckerschwankungen zu reduzieren und PMS-Symptome abzufedern.
Die Wissenschaft gibt aktuell den ein oder anderen Hinweis, dass bestimmte Nahrungsmittel in bestimmten Zyklusphasen einen positiven Einfluss auf unsere Gesundheit haben könnten. Es ist jedoch wichtig zu verstehen, dass bisher noch kaum etwas davon wirklich sicher bestätigt ist. Bitte bedenke auch, dass du mit einer zyklischen Ernährung keine Krankheitsbilder “wegessen” kannst. Dafür solltest du dir weiterhin Unterstützung von deiner Ärztin oder deinem Arzt holen.
Tipp: Du bist keine Spitzensportlerin? Kein Problem! In unserem Artikel zu Ernährung im Zyklus bekommst du allgemeine Tipps rund um Nährstoffe, die dir in den jeweiligen Zyklusphasen guttun könnten.
Diese Frauen setzen schon auf Biohacking
Ursprünglich stammt Biohacking aus dem US-amerikanischen Cambridge (Massachusetts) und wurde vor allem von männlichen Tech-Enthusiasten angewandt. Heute nutzen unter anderem Athletinnen ihre Zyklusdaten, um Training und Regeneration abzustimmen. Aber auch Frauen mit Erkrankungen wie PMS oder dem polyzystischen Ovarialsyndrom (PCOS) versuchen, mit Tracking ihre Symptome einzuordnen. Frauen mit PMS oder PCOS berichten, dass ihnen Tracking und gezielte Ernährung helfen, Symptome einzuordnen. Genauso können natürlich gesunde Frauen Schlafdaten und Zyklusanalysen nutzen, um ihre Produktivität an zyklische Energieverläufe anzupassen.
Eine international bekannte Biohackerin ist Alisa Vitti. Sie gilt als Gründerin der Cycle-Syncing-Bewegung und passt unter anderem ihre Ernährung und ihre Trainings an ihren Zyklus an.
Ist Biohacking gesund? Diese Risiken sind bekannt
Zunächst klingt Female Biohacking positiv und bestärkend. Keine Sorge, das ist es auch weiterhin. Dennoch gibt es natürlich ein paar Risiken, die das Konzept beinhaltet. Wenn du dich zu stark auf Zahlen fokussierst, kann das schnell stressig werden. Wearables können in seltenen Fällen fehlerhafte oder ungenaue Daten ausspielen. Diese können dann verunsichern.
Auch der Trend zu Supplements ist in diesem Zusammenhang zumindest kritisch zu sehen. Der Nutzen der meisten frei verkäuflichen Supplements ist wissenschaftlich nicht belegt. Es können auch gesundheitliche Risiken entstehen, wenn sie ohne medizinische Begleitung genutzt werden
Was kannst du also tun, um deine Risiken beim Female Biohacking möglichst gering zu halten? Wenn dir auffällt, dass dein Zyklus unregelmäßig ist, gilt immer: Erst abklären, dann hacken. Zudem solltest du dich immer wieder daran erinnern, dass du deinen Körper nicht zwangsläufig optimieren musst. Biohacking ist immer nur ein Werkzeug und kein Maßstab. Sei gerade auf Social Media kritisch und bleib vorsichtig.
Nicht nur im Zyklus: Weitere Anwendungfälle für Biohacking
Female Biohacking endet nicht beim Tracking des Zyklusverlaufs über alle Phasen hinweg. Vielleicht interessierst du dich ja auch dafür, deinen Schlaf zu verbessern oder Stress im Alltag zu erkennen und zu reduzieren. Ideen und Methoden wie Atemtechniken, Meditationen oder Bewegungsroutinen stammen aus der allgemeinen Biohacking-Szene und es kann sich für Frauen lohnen, diese auszuprobieren. Idealerweise kannst du damit vielleicht dein eigenes Wohlbefinden steigern.
Ob du Biohacking nun im großen Stil betreibst oder nur punktuell nutzt: Es kann ein Weg sein, deinen Körper besser zu verstehen und selbstbewusster mit ihm zu arbeiten.
Dieser Artikel wurde von Alina Haidacher verfasst.