
Inhalt
Das Wichtigste im Überblick:
Mythos 1: Du kannst bei ungeschütztem Geschlechtsverkehr jederzeit schwanger werden!
Mythos 2: „Ich hatte nur beim ersten Mal ungeschützten Sex. Da kann ich sowieso nicht schwanger werden“
Mythos 3: Jeder Zyklus verläuft gleich - 28 Tage und mit Eisprung immer am Tag 14
Mythos 4: Alltägliche Dinge wie Waschmittel beeinflussen deine Fruchtbarkeit drastisch
Mythos 5: Über 35? Dann ist es vorbei mit der Fruchtbarkeit!
Mythos 6: Wenn du es seit Langem versuchst, funktioniert es auch irgendwann automatisch
Mythos 7: Medizinische Hilfe braucht man erst nach sechs Monaten oder einem Jahr
Mythos 8: Männer sind immer fruchtbar und nur Frauen haben Fruchtbarkeitsprobleme
Mythen hinter sich lassen und Fruchtbarkeit steigern
Die 8 häufigsten Mythen über Fruchtbarkeit im Faktencheck

- 10 min Lesezeit
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Fruchtbarkeit: Mythos oder Fakt? Alter, Zyklus, Timing – viele Aussagen rund um Kinderwunsch halten sich hartnäckig. Wir klären auf, was stimmt und was du getrost vergessen kannst.
Befindest du dich gerade mitten im Kinderwunsch? Dann hast du mit Sicherheit schon viel über die weibliche Fruchtbarkeit gelesen. Mit 40 Jahren wird man nicht mehr schwanger, man kann direkt nach der Periode schwanger werden, der Druck muss raus, dann klappt es auch - manche Dinge davon sind wahr, andere dagegen schlicht und ergreifend falsch.
In diesem Artikel räumen wir auf Basis von Erkenntnissen aus der Reproduktionsmedizin und Forschung mit verbreiteten Irrtümern rund um Fruchtbarkeit und Schwangerschaftschancen auf. So bekommst du Klarheit und kannst besser entscheiden, was für dich am Weg zum Wunschkind wirklich relevant ist.
Das Wichtigste im Überblick:
- Nicht alles, was im Internet zu lesen oder zwischen Freund:innen zum Thema Fruchtbarkeit besprochen wird, ist wissenschaftlich korrekt.
- Schwanger zu werden, ist unabhängig vom Alter prinzipiell immer dann möglich, wenn ein Eisprung stattfindet.
- Aber selbst dann gibt es Hindernisse auf dem Weg zur Erfüllung des Kinderwunsches.
Mythos 1: Du kannst bei ungeschütztem Geschlechtsverkehr jederzeit schwanger werden!
Ein weit verbreiteter Mythos ist, dass der weibliche Körper jederzeit empfängnisbereit sei. Sobald eine Frau ungeschützten Sex hat, könnte sie schwanger werden. Tatsächlich ist das weitgehend falsch.
Biologisch gesehen gibt es nur einen kurzen Zeitpunkt im Zyklus, in dem eine Schwangerschaft möglich ist. Dabei handelt es sich um das sogenannte fruchtbare Fenster, also die Tage rund um den Eisprung. Die größten Chancen bestehen, wenn Sex in den Tagen vor dem Eisprung oder am Tag des Eisprungs stattfindet. An den übrigen Tagen ist die Wahrscheinlichkeit deutlich geringer.
Warum ist das so? Eine Eizelle ist nur etwa 12 bis 24 Stunden befruchtungsfähig, sobald sie aus dem Follikel freigesetzt wurde. Spermien dagegen können in einem günstigen Umfeld bis zu fünf Tage überleben.
Deshalb ist der Mythos, dass du “immer” schwanger werden kannst, wenn du Sex hast, nicht haltbar. Für deinen Kinderwunsch lohnt es sich, deinen Zyklus und deine fruchtbaren Tage gut zu kennen und gezielt darauf zu achten.
Du willst gerade schwanger werden? In unserem Artikel liest du mehr über den perfekten Zeitpunkt dafür.
Mythos 2: „Ich hatte nur beim ersten Mal ungeschützten Sex. Da kann ich sowieso nicht schwanger werden“
Dieser Mythos hält sich hartnäckig. Manche Menschen glauben, dass beim allerersten ungeschützten Geschlechtsverkehr keine Schwangerschaft entstehen kann. Das Jungfernhäutchen sei ja ein natürlicher Schutz davor. Dabei handelt es sich leider um einen gefährlichen Irrtum. Tatsächlich besteht jederzeit die Möglichkeit, schwanger zu werden. Dafür muss nur gerade eine befruchtungsfähige Eizelle freigesetzt sein. Es gibt keine schützende Wirkung des ersten ungeschützten Geschlechtsverkehrs allein.
Solltest du also noch keinen Sex gehabt haben, verwende bei nicht bestehendem Kinderwunsch unbedingt ein geeignetes Verhütungsmittel (z.B. Kondom). Ansonsten riskierst du eine ungewollte Schwangerschaft.
Mythos 3: Jeder Zyklus verläuft gleich - 28 Tage und mit Eisprung immer am Tag 14
In vielen Zykluskalendern und Apps wird ein Zyklus mit einer Dauer von 28 Tagen als Standard angenommen. Bei diesem Ideal findet der Eisprung an Zyklustag 14 statt. Kein Wunder, dass sich der Glaube hartnäckig hält, dass jeder Zyklus so verlaufen muss.
Doch tatsächlich weicht fast jede zweite Frau mit regelmäßigem Zyklus davon jedes Mal oder immer wieder einmal ab. Teilweise findet der Eisprung vor dem 14. Tag statt, teils später, teils tatsächlich an Tag 14. Als normal gilt übrigens ein Zyklus mit einer Dauer zwischen 21 und 35 Tagen.
Wer seine fruchtbaren Tage lediglich nach Kalender berechnet, läuft Gefahr, die fruchtbare Phase zu verpassen. Gerade bei unregelmäßigen Zyklen oder nach hormonellen Schwankungen (z.B. Stillzeit) ist diese Herangehensweise besonders unzuverlässig. Wenn du aktuell oder in Zukunft schwanger werden willst, ist es daher sinnvoller, die Signale deines Körpers genau zu beobachten oder moderne Hilfsmittel wie breathe ilo zu nutzen, um deinen Eisprung möglichst genau zu bestimmen. Welche Signale des Körpers gemeint sind? Darunter fällt beispielsweise die Basaltemperatur, aber auch der Zervixschleim.
Hierzu haben wir dir in diesem Artikel mehr Infos zusammengefasst.
Mythos 4: Alltägliche Dinge wie Waschmittel beeinflussen deine Fruchtbarkeit drastisch
Rund ums Thema Kinderwunsch tauchen immer wieder einige Ratschläge oder Warnungen auf. “Trinke Hustensaft nach dem Sex”, “Kein Waschmittel verwenden”, “Wechsel Plastikflaschen aus und verwende nur noch Glas”, “Zu viel Sport macht unfruchtbar”, „Wenn du dich dehnst, wirst du schwanger”. Solche Tipps klingen oft plausibel, sind aber medizinisch meist nicht (ausreichend) belegbar.
So gibt es keine belastbaren Studien, die zeigen, dass beispielsweise Hustensaft die Schleimbeschaffenheit ausreichend ändert, um die Spermienmobilität deutlich zu verbessern. Ebenso wenig ist bewiesen, dass ein bisschen Sport oder handelsübliche Kunststoffverpackungen in Haushaltsprodukten sofort die Fruchtbarkeit ruinieren.
Dennoch haben Forscher:innen kürzlich herausgefunden, dass die Ewigkeitschemikalien PFAS deine Fruchtbarkeit durchaus negativ beeinflussen könnten. Diese sind beispielsweise in Waschmittel tatsächlich häufig enthalten. Das heißt aber nicht, dass du ab sofort auf dein Lieblingswaschmittel verzichten musst. Wichtiger für dein Fruchtbarkeit sind laut aktuellem Kenntnisstand bekannte Faktoren wie allgemeine Gesundheit, stabile Zyklen, Ernährung oder Lebensstil.
Mythos 5: Über 35? Dann ist es vorbei mit der Fruchtbarkeit!
Machen wir uns nichts vor. Mit zunehmendem Alter verändert sich die Fruchtbarkeit einer Frau. Das ist Fakt. Aber dass du mit einem Alter über 35 Jahren nicht mehr schwanger werden kannst, ist nur ein Mythos. Der Rückgang der Fruchtbarkeit ist ein individueller und schleichender Prozess, der persönliche Unterschiede stark mitberücksichtigen muss. Die Eizellreserve nimmt jedenfalls mit den Jahren ab und auch die Qualität der Eizellen kann sich unter Umständen verschlechtern. Gleichzeitig steigen das Risiko von Fehlbildungen und Schwangerschaftskomplikationen mit dem Alter. Doch viele Frauen bleiben bis Mitte 30 und sogar bis Mitte 40 fruchtbar und werden auf natürlichem Weg schwanger.
Wichtig ist, dass du deinen Körper kennst, deine Zyklusmuster beachtest und bei Unsicherheiten oder lange bestehendem Kinderwunsch frühzeitig mit einer Gynäkologin oder einem Gynäkologen sprichst. Dann kannst du besser einschätzen, wie realistisch dein Kinderwunsch ist. Denn dieser ist nur teilweise abhängig von deinem Alter.
Mythos 6: Wenn du es seit Langem versuchst, funktioniert es auch irgendwann automatisch
Es stimmt, viele Paare versuchen es mehrere Monate - und manchmal Jahre -, bis eine Schwangerschaft eintritt. Der Gedanke, es müsse mit viel Geduld irgendwann einfach klappen, ist riskant. Im schlimmsten Fall könntest du oder dein Partner unentdeckt unfruchtbar sein. Gemäß seriöser Quellen dauert es bei gesunden Paaren häufig zwischen sechs bis zwölf Monaten, bis eine Schwangerschaft eintritt. Hier gilt die Voraussetzung, dass regelmäßiger und ungeschützter Geschlechtsverkehr zum richtigen Zeitpunkt im Zyklus stattfindet. Zusätzlich sind natürlich auch Faktoren wie Alter, Zyklusregulation, Hormonstatus und Spermienqualität entscheidend.
Selbst, wenn du vermeintlich alles richtig machst, kann es mit dem Eintreten einer Schwangerschaft länger dauern. Das muss nicht heißen, dass bei dir etwas medizinisch nicht stimmt. Wenn du aber nach etwa zwölf Monaten nicht schwanger bist (oder nach sechs Monaten, wenn du über 35 Jahre alt bist), ist ein ärztlicher Check-up sinnvoll.
Mythos 7: Medizinische Hilfe braucht man erst nach sechs Monaten oder einem Jahr
Du hast gerade gelesen, dass du dir nach sechs oder zwölf Monaten (bei Frauen über 35 Jahren) ohne eingetretene Schwangerschaft medizinische Hilfe suchen solltest. Grundsätzlich ist dieser Mythos also richtig. Dennoch ist es wichtig, den eigenen Körper zu beobachten und etwaigen Signalen frühzeitig Aufmerksamkeit zu schenken.
Dein Zyklus dauert immer nur 19 Tage oder du hast deinen Eisprung immer erst ganz kurz vor der Periode? Beides sind Beispiele dafür, warum du bei bestehendem Kinderwunsch – und auch unabhängig davon - schon vor den empfohlenen sechs Monaten zur Abklärung der Symptome zu deiner Gynäkologin oder deinem Gynäkologen gehen solltest. Diese:r kann mögliche Einschränkungen deiner Fruchtbarkeit beurteilen und die medizinischen Ursachen dahinter herausfinden. Hör also gut auf deinen Körper!
Mythos 8: Männer sind immer fruchtbar und nur Frauen haben Fruchtbarkeitsprobleme
Ein weiterer Irrglaube ist, dass nur Frauen unfruchtbar sein können. Männer dagegen seien immer und zu jeder Zeit fruchtbar. Das ist falsch. Fruchtbarkeitsprobleme treten bei Frauen wie Männern ungefähr gleich häufig auf. Bei Männern kann ungewollte Kinderlosigkeit unter anderem auf verringerte Spermienqualität oder eine reduzierte Spermienzahl zurückgeführt werden.
Solltest du trotz ungeschütztem Geschlechtsverkehr nach sechs bis zwölf Monaten noch immer nicht schwanger sein, sollte dein Partner ein Spermiogramm im Labor oder bei seiner Urologin bzw. seinem Urologen erstellen lassen. Gemeinsame Untersuchungen, Offenheit und Partnerschaft sind entscheidend, damit ihr realistische Chancen auf eine Schwangerschaft habt. Die mentale Last einer etwaigen Unfruchtbarkeit sollte nicht allein auf deinen Schultern lasten.
Mythen hinter sich lassen und Fruchtbarkeit steigern
Die Forschung zur menschlichen Fertilität ist in den letzten Jahrzehnten immer genauer geworden. Studien mit großen Teilnehmer:innenzahlen, hormonelle Messungen und modernes Zyklus-Tracking liefern belastbare Daten. Im Gegensatz dazu beruhen viele der vermeintlichen Tipps, die in Blogs, Foren oder innerhalb der eigenen Familie geteilt werden, auf Anekdoten oder alten Überlieferungen.
Verabschiede dich deshalb von den unzähligen Mythen rund um Fruchtbarkeit und Schwanger werden und setze stattdessen auf evidenzbasierte Erkenntnisse. Glücklicherweise gibt es einige Dinge, die deine Fruchtbarkeit tatsächlich unterstützen können.
Dieser Artikel wurde von Alina Haidacher verfasst.